Bei einer Gelenkspiegelung oder Arthroskopie ist es dem behandelnden Arzt möglich, über kleinste Verletzungen (Zugangswege) die notwendigen Operationen innerhalb eines Gelenkes vorzunehmen. Hierfür sind in vielen Fällen lediglich zwei Schnitte von jeweils etwa 5 mm Länge notwendig.

Vorteile dieses sehr schonenden Vorgehens sind, dass sich die Patienten wesentlich schneller erholen, kaum sichtbare Narben entstehen, der Patient deutlich weniger Schmerzen verspürt und er schneller wieder mobil ist und seinem gewohnten Alltag eher wieder zur Verfügung steht.

Im Folgenden erhalten Sie einen Überblick über die von uns am häufigsten durchgeführten Gelenkspiegelungen.

Schulter-Arthroskopien:

Häufig lässt sich die Schleimbeutelentzündung durch gezieltes Anspritzen mit einem entzündungshemmenden Medikament gut behandeln. Wird jedoch die Entzündung chronisch, so tritt eine schmerzhafte Vernarbung ein, die sich durch Spritzen oder gezielte Gymnastik nicht mehr zurücktreiben lässt.

In diesen Fällen kann eine wenig belastende Arthroskopie (siehe Gelenkspiegelung was ist das?) das Problem beheben. Der Eingriff ist in der Regel ambulant, ggf. aber auch mit nur einer Übernachtung im Krankenhaus stationär durchführbar.

Zwei wichtige Dinge werden bei dieser OP erreicht:
Einerseits wird der vernarbte und für die Schmerzen verantwortliche Schleimbeutel im Bereich des Engpasses entfernt. Nach der OP bildet sich der Schleimbeutel neu. Damit er sich nicht wieder entzündet, wird andererseits der knöcherne Engpass beseitigt. Dabei wird das oft unebene und nach unten gekrümmte Schulterdacht mit einem Spezialinstrument geglättet und so der Engpass beseitigt.

Nach der OP ist dem Patienten das Bewegen des Armes erlaubt. Je nach körperlicher Beanspruchung beträgt die Dauer der Arbeitsunfähigkeit zwischen 1 und 6 Wochen.

Bis zum Erreichen einer normalen Schulterfunktion ist eine regelmäßige Krankengymnastik unerlässlich.

Der erfahrene Schulterspezialist kann oft nach der Untersuchung des Gelenkes die richtige Diagnose stellen. Es gehört jedoch heute zum Standard, diese durch eine Kernspintomographie und/oder eine Sonographie zu untermauern.

Ist eine Sehne der Roatatorenmanschette gerissen, so kann der dazugehörige Muskel nicht mehr am Knochen angreifen. Sehne und Muskeln verkümmern und verkürzen sich. Besteht ein solcher Zustand über Jahre, kann eine Rekonstruktion unmöglich werden. Daher sind die Ergebnisse einer OP umso besser, je früher sie erfolgt. Bei Verdacht sollte der Schulterspezialist daher umgehend aufgesucht werden.

Die Reparatur der abgerissenen Sehne erfolgt arthroskopisch oder mini-offen über einen ca. 3 – 4 cm kurzen Schnitt. Zunächst werden – wie bei der Engpass-Operation (s.o.) – entzündete Schleimbeutelanteile entfernt, der Engpass beseitigt und der Sehnenriss genau untersucht. Mit Hilfe sogenannter Naht-Anker ist es dem Schulterchirurgen möglich, die Sehne exakt und breitflächig am Oberarmknochen wieder anzuheften.

Die Nachbehandlung dauert länger, da der operierte Arm während der Zeit des Einheilens der Sehne am Oberarmknochen geschont werden muss. Erst danach wird die Muskulatur wiederaufgebaut. In den ersten 3 Wochen nach der OP ist eine spezielle Bandage zu tragen, die zwar bequem ist, den Arm jedoch ruhigstellt. Danach werden die Bewegungen im Gelenk schrittweise erlaubt, bis nach 6 Wochen keine Verbote mehr bestehen.

Die Arbeitsunfähigkeit beträgt je nach beruflichen Belastung zwischen 2 und 12 Wochen.

Hängt der Oberarmkopf aus der Pfanne heraus, spricht man von Luxation. Dies ist zumeist Folge eines Sturzes, selten auch Folge einer angeborenen Fehlanlage.

Das Einrenken kann von selbst erfolgen, wird jedoch häufig im Krankenhaus nach Schmerzmittelgabe oder in Narkose durchgeführt.

Springt der Kopf aus der Pfanne, so reißt zumeist die knorpelige Gelenklippe von der knöchernen Pfanne ab. Hierdurch entsteht eine oft schmerzhafte Gelenkinstabilität mit einem deutlich erhöhten Risiko der erneuten Ausrenkung. Dies birgt neben unangenehmen und schmerzhaften Situationen auch stets das Risiko der zusätzlichen Verletzung weiterer Strukturen des Gelenkes.

Die Stabilisierungs-OP ist heute arthroskopisch über drei nur 5 – 10 mm große Schritte möglich. Sie ist ambulant oder kurz stationär durchführbar und belastet den Patienten meist nur wenig. Ziel des Eingriffes ist die Wiederanheftung der abgerissenen Gelenklippe am knöchernen Pfannenrand. Dies erfolgt mit Hilfe eines 3,5 x 10mm kleinen, abbaubaren Knochendübels. Dieser fasst die Gelenklippe und fixiert sie am knöchernen Pfannenrand.

Die zuvor mittels Faden angeschlungene Gelenklippe wird mit Hilfe kleiner Knochendübel wieder am knöchernen Pfannenrand fixiert.

Folge ist ein wieder stabiles Schultergelenk. Durch die operative Stabilisierung reduziert sich die Gefahr der erneuten Ausrenkung um ein Vielfaches.

2-3 Wochen nach der OP ist eine spezielle Schulterbandage zu tragen. Die Krankengymnastik erfolgt auch hier nach einem Stufenschema, das der Physiotherapeut von uns ausgehändigt bekommt.

Die Arbeitsunfähigkeit beträgt je nach beruflicher Belastung zwischen 1 und 6 Wochen.

Knie-Arthroskopien:

Im Kniegelenk finden sich zwischen den Gelenkflächen von Ober- und Unterschenkel zwei elastische halbmondförmige Scheiben, die Menisken. Diese haben einerseits Stoßdämpferfunktion, das heißt sie schützen durch Entlastung im Gelenk den Knorpel.

Anderseits stabilisieren sie das Gelenk während der verschiedenen Bewegungsabläufe.

Durch Verletzung oder Abnutzung kann es zu Einrissen der Meniskussubstanz kommen. Folgen sind lästige Knieschmerzen und mittelfristige Schädigungen des Gelenkknorpels (Arthrose), denn ein verletzter Meniskus heilt nicht wieder. Daher sollte jede Meniskusverletzung von einem Spezialisten abgeklärt werden, denn eine auf den individuellen Fall abgestimmte Therapie hat eine wichtige Bedeutung für die Langzeitprognose des Gelenkes.

Der erfahrene Arzt (Sportmediziner) kann die Diagnose nach der Schilderung der Beschwerden durch den Patienten und die Untersuchung des Gelenks stellen. Bei unklaren Fällen bringt eine Kernspintomographie letzte Sicherung.

Im Rahmen der Gelenkspiegelung kann der erfahrene Operateur sehr präzise arbeiten. Nur der wirklich geschädigte Meniskusanteil wird entfernt, während der noch funktionstüchtige Restmeniskus belassen wird. Nur bei ganz bestimmten Rissformen im durchbluteten Meniskusanteil (ca. 10%) ist eine Naht ohne Meniskusteilentfernung möglich, sollte dann aber auch zwingend durchgeführt werden.

Nach dem Eingriff kann der Patient bereits nach wenigen Stunden wieder aufstehen. Das operierte Kniegelenk darf bewegt und belastet werden.
In den meisten Fällen sind die Patienten nach 2-3 Wochen wieder arbeitsunfähig. Diese Zeit kann bei das Knie belastenden Berufen auch länger dauern. Nach einer Meniskusnaht erfolgt die Rehabilitation vorsichtiger und dauert länger.

Im Zentrum des Kniegelenkes spannen sich zwischen Ober- und Unterschenkel zwei für die Gelenkstabilität sehr wichtige Bänder aus. Schaut man von vorn, so kreuzen sie sich, weshalb das eine als vorderes und das andere als hinteres Kreuzband bezeichnet wird.

Zerreißt im Rahmen eines Sportunfalles ein Kreuzband, so resultiert zunächst eine schmerzhafte Schwellung des Gelenkes (Bluterguss). Nach Abklingen dieser akuten Phase ist es möglich, dass das Gelenk über mehrere Jahre auch ohne Operation beschwerdefrei wird. Jedoch kann ein zerrissenes Kreuzband niemals heilen, so dass immer eine Instabilität des Knies resultiert. Die Verletzungshäufigkeit des Kniegelenkes steigt insbesondere bei Sportlern nach einem Kreuzbandriss beträchtlich an, so dass die Gefahr von weiteren Kniegelenksverletzungen besteht. Darüber hinaus kommt es oft in der Folge der Kniegelenksinstabilität zu einem vorzeitigen Verschleiß des Knorpels und der Menisken (Arthrose).

Deshalb wird Betroffenen heute beinah prinzipiell zu einer Kreuzbandersatz-OP geraten, zumal der Eingriff im Rahmen einer Gelenkspiegelung, das heißt sehr schonend (minimal invasiv) durchgeführt werden kann:

Für den Kreuzbandersatz stehen mehrere Verfahren zur Auswahl. Bei dem derzeit meist angewendeten Vorgehen wird über einen 2-3 cm langen Schnitt mit Hilfe eines Spezialinstrumentes eine Sehne von der Beugseite des Oberschenkels gewonnen (Semitendinosus-Sehne), welche zur Verstärkung oft mit einer zweiten Sehne (Gracilis) kombiniert wird. Diese Transplantate können dann während der Gelenkspiegelung an genau definierten Orten im Knie durch präzise gebohrte Kanäle eingesetzt und befestigt werden.

Nach der OP sollte das Bein für 3 Wochen nur leicht belastet und nicht voll gebeugt werden. Danach werden die Gehstützen weggelassen und das Knie wird zunehmend gebeugt. Eine spezielle Krankengymnastik ist für ein gutes Ergebnis wichtig und sollte wenigstens 3 Monate lang durchgeführt werden.
Je nach beruflicher Belastung beträgt die Dauer der Arbeitsunfähigkeit zwischen 4 und 12 Wochen!

Nach Rücksprache mit dem Operateur können leichtere sportliche Belastungen nach 3 Monaten wieder durchgeführt werden. Das Knie belastende Sportarten wie Fußball oder Skifahren sollten erst nach 6-12 Monaten wieder trainiert werden.